Jugend


26. Allgemeine Jugendtage der SELK: "Kirche? Das sind wir alle!"

Mit einem großen Festgottesdienst sind am 11.11. in der Jugendherberge in Göttingen die 26. Allgemeinen Jugendtage der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) zuende gegangen. 150 Jugendliche aus allen Kirchenbezirken der SELK waren seit Donnerstag zusammen, um unter dem Thema "Aber SELKverständlich!" über ihre Kirche nachzudenken. Bettina Wollenberg, Jugendvertreterin des Kirchenbezirks Sachsen-Thüringen, fasste ihre Eindrücke beim Abschlusspodium unter dem Applaus der Zuhörenden zusammen: "Eines habe ich zum ersten Mal verstanden bei diesen AJT: Kirche, das sind nicht irgendwelche Leute 'da oben', sondern Kirche, das sind wir alle!"

Wie bei allen Allgemeinen Jugendtagen wardas Programm bunt gemischt. In "Theologischen Foren" wurden grundlegende Themen im Plenum behandelt. Zunächst legte Hauptjugendpfarrer Christian Utpatel (Homberg) dar, dass "Kirche" als der "Leib Christi auf dieser Erde" weit mehr ist als die bloße Organisationsform z.B. der SELK. Pfarrer Michael Zettler (Frankfurt/ Main) erläuterte, was das lutherische "sola gratia" ("allein aus Gnaden") bedeutet. In Gesprächsrunden trugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, wie sich "sola gratia" konkret in ihrem alltäglichen Leben auswirkt. "Ich bin in der SELK - und das ist gut so" war der Titel des dritten Theologischen Forums, in dem Jugendpfarrer Hinrich Schorling (Witten) seine Verbundenheit mit dieser Kirche eindrucksvoll belegte: "Solange man mich nicht rausschmeisst, werde ich in dieser Kirche bleiben." Zuvor hatte er besonders die Basisdemokratie hervorgehoben, die die SELK seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert prägt.

In verschiedenen Arbeitsgruppen war Gelegenheit, einzelne Themen zu vertiefen. Titel wie "Der SELK-Konzern", "Das SELK-Arbeitsamt" und "Das Karriereplanspiel" luden dazu ein, sich über Strukturen und Zuständigkeiten, Abeitsmöglichkeuten und Entscheidungsgänge innerhalb der SELK zu informieren. Unter dem Stichwort "The Roots" (die Wurzeln) fand eine Arbeitsgruppe zur Geschichte der SELK statt. Und bei "money money money" ging es um das Finanzsystem der SELK und die verschiedenen Kassen, Fonds und Entscheidungsebenen. Neben diesen auf Information ausgerichteten Gruppen wurden auch freie Gesprächsgruppen angeboten. Sie boten die Gelegenheit, ganz unverblümt über die Erfahrungen mit dieser Kirche ins Gespräch zu kommen. "Manchmal finde ich alle in unserer Gemeinde zum Kotzen!" war eines der Themen, "Manchmal schäme ich mich wegen meiner Kirche" ein anderes. Um Fragen des Gluabens ging es bei "Manchmal weiß ich nicht, woran ich glaube und warum ich überhaupt Christ bin!". Und die Frage "Darf ich auch woanders zum Abendmahl gehen?" war Grundlage für Gespräche über das Verständnis von Kirchengemeinschaft. Alle Arbeitsgruppen wurden mehrmals angeboten, so dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der AJT drei Gruppen besuchen konnten. Zu einem übergroßen Erfolg wurde eine KreativWerkstatt, bei der am Sonnabend Nachmittag unerwartet viele neue Ideen entwickelt wurden.

Andachten und Gottesdienste bei diesen AJT waren nicht bloße Umrahmung, sondern intensiver Bestandteil wenn es darum ging, die eigene Kirche wahr zu nehmen. Bei einer kleinen Ausstellung wurden verschiedene Werke und Arbeitsbereiche vorgestellt. Ein Raum der Stille lud rund um die Uhr zum Rückzug ein, Pfarrer standen für seelsorgliche Gespräche zur Verfügung. Ein feuerwerk der Kreativität waren zwei Abende, bei denen Jugendliche selber ihre Kirche skizzierten. Nach nur wenigen Stunden Vorbereitungszeit entstanden liebevoll-komödiantische Szenen einer Kirchenvorstandssitzung, wurden Lieder getextet und Büttenreden gehalten. Und die Jugendpfarrer tanzten Techno auf der Bühne.

Auch für die veranstaltenden Jugendpfarrer war die gute Stimmung auf diesen AJT überraschend. Vieles, was es an der SELK, ihren Strukturen und ihren Entscheidungen zu kritisieren gab, wurde angesprochen - und gewann doch nicht die Oberhand. Am Ende blieb das Gefühl einer selbstbewussten Jugend, die weiß, warum sie einer lutherischen Kirche angehört und die diese Kirche trotz aller Kritik liebt. Nun kommt es darauf an, dass die, die bei den AJT waren, sich zuhause nicht gleich wieder entmutigen lassen. Aber wer verstanden hat, dass "Kirche" keine Institution, sondern die Gemeinschaft der Glaubenden ist, der wird diese Gemeinschaft fröhlich mitgestalten.